5 Gründe, warum du deine digitalen Produkte barrierefrei gestalten solltest

Dan CagenDan Cagen
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Digitale Angebote sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Post wird hauptsächlich elektronisch verschickt, Bankgeschäfte werden digital abgewickelt und der globale Markt ist online für alle offen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn nicht jede Webseite oder App ist digital barrierefrei gestaltet und so für jeden zugänglich.

Digitale Inhalte ohne Barrierefreiheit schließen ganze Nutzergruppen aus

Laut dem Statistischen Bundesamt (Stand 2017) gibt es in Deutschland:

  • 912.339 Menschen mit Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen
  • 350.822 Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung
  • 297.609 Menschen mit Sprach- oder Sprechstörungen, Taubheit, Schwerhörigkeit
  • 16.202 Menschen mit Querschnittlähmung

Das sind über 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, denen der Zugang zu digitalen Angeboten ohne Barrierefreiheit verwehrt wird.

Doch digitale Barrierefreiheit ist nicht nur ein Muss für Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderung, sondern ebenfalls wichtig für ältere Menschen. 22 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland ist über 65 Jahre alt (Statistisches Bundesamt, Stand 2018). Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen in Deutschland online unterwegs ist. Sie möchten an dem teilhaben, was im Internet passiert. Doch dazu muss es für sie auch leicht zugänglich und verständlich sein.

Die Schlussfolgerung ist einfach: Sind Webseiten oder andere digitale Angebote nicht barrierefrei gestaltet, werden ganze Nutzergruppen ausgeschlossen.


„Barrierefreie digitale Angebote erhöhen die Reichweite und die Kundenzufriedenheit deutlich.“

Franziska Neuberger, Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern

Digitale Barrierefreiheit wie UX behandeln

Digitale Barrierefreiheit bedeutet neben einer größeren Reichweite vor allem auch eine höhere Nutzerfreundlichkeit für jeden. Denn: Barrierefreie digitale Angebote sind übersichtlich, verständlich und nutzerfreundlich - und tragen damit zu einer erfolgreichen User Experience bei. Sind diese wesentlichen Eigenschaften erfüllt, nützt digitale Barrierefreiheit allen. Wenn beispielsweise starke Farbkontraste auf einer Webseite eingesetzt werden, so dient das nicht nur sehbehinderten Menschen, sondern auch normalsichtige Menschen profitieren davon, wenn sie ihr Smartphone bei starkem Sonnenschein benutzen.

Jeder gewinnt, wenn Webseiten leichter zugänglich sind - auch das Unternehmen selbst. Wem UX am Herzen liegt, sollte sich auch um digitale Barrierefreiheit kümmern.


Mehr erfahren: Digitaler Zugang für alle – Wie barrierefreie Webseiten und Apps gelingen


Aktuell Grauzone, zukünftig Gesetz: Europäische Richtlinie für digitale Barrierefreiheit

Was die Einhaltung der Barrierefreiheit so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es noch keine offiziellen Gesetze für die Entwickler gibt, die sie befolgen müssen - nur Richtlinien wie beispielsweise die internationalen Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Werden diese bereits in den Entwicklungsprozess digitaler Produkte integriert, schafft man nachhaltig ein für jeden zugängliches, einwandfreies Nutzererlebnis. Doch ohne standardisierte Gesetze ist dies eine große Grauzone, in der man sich bewegt.

Das wird sich allerdings in Europa in den nächsten Jahren ändern. Am 9. April 2019 wurde der Europäischer Rechtsakt zur Barrierefreiheit (European Accessibility Act, EAA) verabschiedet. Darunter fallen:

  • Computer und Betriebssysteme
  • Geldautomaten, Fahrausweis- und Check-in-Automaten
  • Smartphones
  • Fernsehgeräte für digitale Fernsehdienste
  • Telefondienste und dazugehörige Geräte
  • Zugang zu audiovisuellen Mediendiensten wie Fernsehsendungen und damit verbundenen Verbraucherendgeräten
  • Dienstleistungen im Bereich Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsverkehr
  • Bankdienstleistungen
  • E-Books
  • E-Commerce

Diese Produkte und Dienstleistungen müssen zukünftig (digital) barrierefrei gestaltet werden. Noch ist der Rechtsakt nicht bindend, jedoch ist gesetzlich geregelt, dass die EU-Mitgliedsstaaten drei Jahre Zeit haben, die Richtlinie in nationales Recht zu übertragen. Damit soll sichergestellt werden, dass Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen ungehindert am gesellschaftlichen Leben in einer immer stärker digitalisierten Welt teilhaben können.

Darum solltest du deine digitalen Produkte barrierefrei gestalten

Es gibt fünf gute Gründe, warum du deine Webseiten und mobilen Anwendungen hinsichtlich digitaler Barrierefreiheit anpassen und ausbauen solltest:

  1. Du vergrößerst die Reichweite deiner digitalen Angebote
  2. Du hast eine zufriedenere Kundschaft
  3. Du sicherst dich für die Zukunft ab, in der digitale Barrierefreiheit nicht nur eine Richtlinie, sondern ein Gesetz ist
  4. Du baust dein Image als kundenfreundlicher Anbieter aus
  5. Du gewinnst einen Vorsprung gegenüber deinen Mitbewerbern

Wann wurde in deinem Unternehmen zuletzt auf digitale Barrierefreiheit getestet?

Mehr als 42 Prozent der Unternehmen haben noch nie oder seit mehr als einem Jahr auf Accessibility getestet. Dies geht aus einer neuen Umfrage unter Applauses globaler Gemeinschaft von QA-Fachleuten hervor. Weniger als die Hälfte der Unternehmen hat in den letzten sechs Monaten ihre Webseiten hinsichtlich digitaler Barrierefreiheit getestet.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen digitaler Barrierefreiheit keine Priorität einräumen. Accessibility Testing sollte ein kontinuierlicher Prozess sein und nicht nur ab und zu durchgeführt werden.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Das Accessibility-Tool von Applause

Digitale Barrierefreiheit umzusetzen ist kein schnelles oder einfaches Unterfangen, gerade wenn dies in bestehende digitale Produkte implementiert werden soll. Das Applause Accessibility-Tool hilft, den ersten Schritt in die richtige Richtung zu machen. Das Tool lässt sich nahtlos in deinen Software-Entwicklungsprozess integrieren und wird bereits zu Beginn des Entwicklungszyklus eingesetzt. Wenn es ein Problem identifiziert, bietet es entweder eine Option zur Codeänderung an, die der Entwickler automatisch anwenden kann, oder es hebt das Problem zur manuellen Korrektur hervor.

Das Tool kann hier heruntergeladen werden (aktuell nur auf Englisch verfügbar).

Wie bei jedem automatisierten Accessibility-Tool sollte auch das von Applause nicht isoliert verwendet werden. Das manuelle Testen und Bewerten durch den Menschen bleibt wesentlich und ist notwendig, um den vollen Umfang des EAA in hinsichtlich digitaler Barrierefreiheit abzudecken und Probleme aufzudecken, die von automatisierten Tools nicht erkannt werden können. Applause hilft, die digitale Barrierefreiheit deiner Produkte aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

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