10 Top Trends, die Retail-Unternehmen in 2021 im Blick haben sollten

Florian Sasse
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E-commerce an Spitze der Retail Trends 2021

Der Top Trend 2021 in Sachen Retail ist zweifelsohne der E-Commerce, denn sein Marktanteil am gesamten Retail-Umsatz hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Laut Statista erwirtschaftete der deutsche B2C-E-Commerce-Markt im Jahr 2014 noch 35,6 Mrd. Euro, im Jahr 2020 waren es bereits 72,8 Mrd. Euro – eine Verdopplung innerhalb von sechs Jahren. Shopify schätzt das globale Marktvolumen von E-Commerce für dieses Jahr auf US $ 4,89 Billionen. Bis 2024 prognostizieren sie einen Anstieg auf US $ 6,39 Billionen. Dabei nimmt der E-Commerce-Anteil am globalen Retail-Umsatz ebenfalls zu: betrug der Wert 2019 nur 13,6 Prozent, waren es 2020 bereits 18 Prozent. Bis 2024 könnte dieser Wert auf 21,8 Prozent steigen.

Dass COVID-19 den E-Commerce-Umsatz schneller steigen lässt, war nach flächendeckenden Schließungen des stationären Handels zu erwarten, wie Inge De Bleecker in einem weiteren Blogbeitrag bereits dargelegt hat. Doch welche Trends sind in diesem Jahr weiterhin von besonderer Bedeutung? Eine Übersicht.

1. Omnichannel

Um Kund:innen weiterhin ein sicheres Einkaufserlebnis anbieten zu können, etablierten viele Anbieter:innen in den letzten Monaten Omnichannel-Angebote in ihre Customer Experience. Dazu gehört beispielsweise das beliebte Click & Collect, in dem Kund:innen Produkte online einkaufen und sie dann in Einzelhandelsgeschäften abholen konnten. Laut einer im letzten November durchgeführten Umfrage gaben 71 Prozent der Befragten an, bei Händler:innen einkaufen zu wollen, die ein Omnichannel-Erlebnis anbieten würden. Wie Anbieter:innen Stolpersteine beim Omnichannel-Retail vermeiden können, erfährst du hier.

2. Social Commerce

Menschen, gerade aus der Generation Z, verbringen heutzutage mehrere Stunden täglich in sozialen Medien. Daher ist es nur logisch, Plattformen wie beispielsweise Instagram für den Verkauf von Produkten zu nutzen. Die Vorteile: Produkte können mit visuellen Inhalten direkt auf den Plattformen besser beworben werden. Außerdem verkürzt sich die Customer Journey für Kund:innen erheblich, da der Kauf direkt auf den Plattformen abgeschlossen werden kann – ohne Weiterleitung zu einem separaten Online Shop.

3. Bessere Personalisierung durch Big Data

Die gezielte Ansprache von Kund:innen am jeweiligen Touchpoint hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg von E-Commerce-Unternehmen. Durchschnittsdaten sind jedoch in seltensten Fällen eine gute Grundlage für die Personalisierung. Um die Gesamtheit an Besucherdaten zu berücksichtigen und Kund:innen somit in homogene Teilgruppensegmente aufzuteilen, kann das sogenannte Clustering eingesetzt werden. Das Ziel dieser mehrdimensionalen Analyse: Die Gesamtheit an Kund:innen soll in kleinere Gruppen geteilt werden, die sich in bestimmten Eigenschaften wie dem genutzten Endgerät, der Häufigkeit, in der der Support kontaktiert wird, oder dem Wert des Warenkorbes ähneln. Auf diese Weise können die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Teilgruppen am besten erfüllt und die Customer Journey somit optimal personalisiert werden.

4. Augmented Reality

Ein weiterer Trend, der in diesem Jahr nicht vernachlässigt werden sollte, ist die Nutzung von Augmented Reality im E-Commerce. Laut einer Umfrage von Google gaben 66 Prozent der Befragten an, dass sie an der Nutzung von Augmented Reality während des Einkaufs interessiert wären. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Auf der einen Seite können Anbieter so die Zahl der Rücksendungen senken, da Kund:innen Produkte durch 3D-Visualisierungen, Produkt-Demos oder virtuellen Anproben bereits vor dem Kauf besser erfahren können. Auf der anderen Seite können Anbieter ihre Konversionsraten massiv steigern, wie Daten von Shopify belegen. Demnach sei die Konversionsrate bei Produkten mit AR-Bewerbung 94 Prozent höher als bei Produkten ohne AR-Bewerbung.

5. Direct to Consumer

Transparenz wird für viele Kund:innen zunehmend wichtiger, außerdem bevorzugen sie einen Online-Kauf, der so einfach wie möglich ist. Da setzt das D2C-Modell an. Dabei können Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen direkt an die Verbraucher:innen verkaufen – komplett ohne Zwischenhändler. Die größten Vorteile sind hierbei eine höhere Speed to Market, günstigere Preise und somit höhere Margen sowie die Möglichkeit, die Kundenbedürfnisse schneller zu erkennen und somit agiler auf diese zu reagieren. Der Markt dafür wächst rasant. In den Vereinigten Staaten beispielsweise wuchsen die Umsätze Pandemie-bedingt von 2019 auf 2020 um 45,5 Prozent, auch in diesem Jahr wird ein Wachstum von 15,9 Prozent erwartet.

6. KI-Fokus

Button wie „Empfehlungen für dich” sind bereits heute schon Standard. Dabei werden Produkte anhand weiterer angesehener oder früher gekaufter Artikel vorgeschlagen. Mit einem noch stärkeren Fokus auf die KI-Technologie kann unter anderem die Personalisierung in Online Shops noch weiter verbessert werden. So können auf Basis der Analyseergebnisse beispielsweise die Ansprache in Begrüßungstexten sowie Produktbeschreibungen den Bedürfnissen der Kund:innen angepasst werden. Außerdem kann die Shop-Navigation erheblich profitieren. Ein Beispiel: abhängig des Geschlechtes der Kund:in kann zuerst Kleidung für die Frau oder den Mann angezeigt werden, was die Customer Journey nachhaltig verbessern kann.

7. Livestream-E-Commerce

Seit Beginn der Pandemie drängen sich Livestream Shopping-Formate in den Vordergrund. Der große Vorteil gegenüber statischen Online-Shops inklusive einiger Rezensionen ist klar: Die Hosts der Livestreams können dank der Interaktion mit den Interessent:innen konkreter auf deren Wünsche eingehen und das umsetzen, was diese sich wünschen. China ist in diesem Trend klar Vorreiter: im letzten Jahr wurde der Livestream-E-Commerce hier auf circa US $ 158 Mrd. geschätzt. Auch hierzulande entwickelt sich der Trend zunehmend weiter. Große Unternehmen wie Dior haben sich bereits daran versucht, ihre Produkte auf der Plattform TikTok zu präsentieren. Es bleibt abzuwarten, wie viele Marken und E-Commerce-Unternehmen im Laufe des Jahres nachziehen werden.

8. Voice Commerce

Unter diesem Trend wird der sprachbasierte Online-Kauf zusammen gefasst. In Deutschland haben bereits 60 Prozent ein Gerät per Sprachsteuerung bedient (Statista). Speziell Amazons Alexa kennen 92 Prozent der Befragten. Dass auf diese Weise vermehrt Käufe getätigt werden, ist für viele Expert:innen nur eine Frage der Zeit. E-Commerce-Anbieter sollten daher sämtliche Produkte sowie die Shop-Infrastruktur anpassen, damit nicht nur der Kauf, sondern auch die Suche nach den gewünschten Produkten per Sprachsteuerung möglich sein wird.

9. ReCommerce

Auch ein interessanter Trend diesen Jahres ist der sogenannte ReCommerce – also Reverse Commerce. Hierbei werden gebrauchte Gegenstände weiter gekauft, sowohl online als auch offline. eBay veröffentlichte dazu in diesem Jahr zum ersten Mal den „Recommerce Report”, wofür sie über 4.000 Käufer:innen und Verkäufer:innen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA befragten. Dabei gaben 79 Prozent der Deutschen an, im letzten Jahr gebrauchte Produkte auf dem Online-Marktplatz gekauft zu haben. Speziell die Altersgruppe der 16 bis 24-Jährigen ist diesem Konzept nicht abgeneigt – hier lag der Anteil sogar bei 81 Prozent. Neben geringeren Preisen ist vor allem der Nachhaltigkeitsaspekt entscheidender Treiber für die Befragten.

10. Nachhaltigkeit in den Fokus rücken

Spielt der Nachhaltigkeitsaspekt unter anderem für ReCommerce eine wichtige Rolle, hat sich auch das gesamte Verbraucherbewusstsein hinsichtlich der Auswirkungen des Einzelhandels verändert. Demnach sind laut einer repräsentativen Umfrage von Box Inc 46 Prozent der Befragten der Meinung, dass E-Commerce keine nachhaltige Art des Einkaufens darstellt. In den Augen von 73 Prozent der Befragten sorgen anfallende Retouren dafür, dass E-Commerce nicht nachhaltig ist. Zusätzlich sehen 49 Prozent der Befragten Transport und Versand als Ursache für fehlende Nachhaltigkeit. Es lohnt sich also deshalb, sich beispielsweise mit einer Option für den umweltfreundlichen Versand oder nachhaltigen Verpackungen als umweltfreundliche Marke zu positionieren.

Es bleibt spannend!

Die hier dargelegten Trends sind äußerst vielfältig und befinden sich momentan in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Wie bei allen Trends, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt auch hier offen, welche sich etablieren werden. Es ist auf jeden Fall gesichert, dass E-Commerce sich in der nahen Zukunft rasant weiter entwickeln wird.


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