Drei neue Herausforderungen für Usability Testing

Lars Kämpfer Lars Kämpfer
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Herkömmliches Usability Testing stößt bereits an seine Grenzen. Ein Umdenken ist erforderlich.

Ob IoT, Smart Home Technology, Tablets, Wearables oder das Smartphone – die Vielzahl an Möglichkeiten, wie und wofür mobile Endgeräte im Alltag eingesetzt werden können, ist gewaltig. Als ständiger Begleiter im Alltag sind die digitalen Anwendungen aus dem Nutzeralltag mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Mit dem immer fortlaufenden Fortschritt und erhöhtem Komfort der smarten Alltagsbegleiter wachsen auch die Ansprüche der Nutzer an den Funktionsumfang, die Hardware, aber auch an die Bedienung und das Design.

Aus UX-Sicht ist hierbei insbesondere die Benutzeroberfläche (User Interface) hervorzuheben, mittels derer der Nutzer (im besten Fall) erlebt, dass das Produkt exakt auf seine individuellen Präferenzen abgestimmt und für ihn entwickelt wurde:

“Eine großartige Benutzeroberfläche ist so makellos, dass wir nicht darüber nachdenken.... aber eine schlechte Benutzererfahrung macht uns frustriert, ungeduldig, ja sogar wütend - und wir werden uns an diese negative Erfahrung noch für eine längere Zeit erinnern.”
Justin Mifsud

Trotz der Vielfalt der europäischen Märkte mit seinen verschiedenen Branchen, Unternehmensgrößen und Business-Setups ist uns von Applause aufgefallen, dass unsere UX-Kunden aus Europa sehr ähnliche Fragen und Themen bewegen. Exemplarisch möchte ich daher in diesem Artikel drei wesentliche Trends herausgreifen, die deutlichen Einfluss auf die Anfragen unserer Kunden und letztlich auf die UX-Tests haben, die wir europaweit durchführen.

  1. Usability Testing ohne eine klare Differenzierung zwischen Mobile und Desktop ist unvollständig
  2. Die Erwartungshaltung der Nutzer ändert sich durch individualisierte und personalisierte Nutzererlebnisse
  3. Sprachassistenten wie Alexa, Siri, Cortana und Google Assistant revolutionieren das herkömmliche User Interface

Im Folgenden möchte ich erläutern, vor welche Herausforderungen Unternehmen durch diese drei Trends im Hinblick auf Usability Testing gestellt werden. Außerdem werde ich darauf eingehen, wie Usability Testing helfen kann diese Trends zu nutzen, um letztlich die Wünsche und Präferenzen der Nutzer in der eigenen Produktentwicklung zu berücksichtigen.

Usability Testing ohne eine klare Differenzierung zwischen Mobile und Desktop ist unvollständig

Laut statista.com generiert mobiles Internet ein Drittel des gesamten Web Traffics in Europa. Global wurden im letzten Jahr erstmals mehr Websites mobil geöffnet als am Desktop. Dieser Anteil wird auch in Zukunft noch weiter steigen. Häufig propagierte Entwicklungskonzepte wie „mobile first“ oder der verstärkte Einsatz von Mobile Usability Testing machen deutlich, dass der Fokus sich auf die mobile User Experience verlagert hat. Aber was bedeutet “mobile first” nun konkret für Usability Testing?

Mittlerweile wird beim Usability Testing nicht mehr nur allgemein die Einfachheit und Verständlichkeit der Produkte überprüft, sondern verstärkt auf die Unterschiede in der Nutzung von Desktop und mobilen Anwendungen geachtet. Wir erleben es immer wieder, dass unsere Kunden nicht nur auf eine allgemeine Auswertung Wert legen, sondern explizit unterschiedliche Analysen für Mobile und Desktop Geräte benötigen. Erst dieser sehr differenzierte Blick ermöglicht es präzise Verbesserungen am Produkt vorzunehmen, Bedienkonzepte zu überarbeiten und wirklich alle Facetten der User Experience zu erfassen.

Gravierende Unterschiede zwischen Mobilen und Desktop Anwendungen kommen vor allem bei Aspekten wie der Nutzerintention, dem Nutzungskontext und den Interaktionsformen zum Vorschein: Im Vergleich zu Desktop Anwendungen werden mobile Anwendungen häufig in einem hektischen und ablenkenden Umfeld genutzt. Vor diesem Hintergrund suchen Nutzer von mobilen Geräten zielgerichteter nach bestimmten Informationen und verfügen tendenziell über weniger Zeit und Geduld für langwierige Recherchen.


Weiterlesen: Was mobile Nutzer von von Apps erwarten


Die Art der Eingabe und Interaktion mit dem Gerät variiert von Mobile (Touchscreen, Spracheingaben, Nutzerbewegungen wie bei Google Maps) und Desktop (PC-Maus, Tastatur und Spracheingaben) so stark, dass auch hier differenzierte Analysen und UX Tests erforderlich sind, um ein hochwertiges Nutzererlebnis auf beiden Gerätetypen zu gewährleisten. Zusätzlich müssen die angezeigten Inhalte aufgrund der wesentlich geringeren Bildschirmgröße ganz anders priorisiert werden als auf dem Desktop. Der häufige Wechsel der Nutzer zwischen beiden Gerätetypen macht außerdem Konsistenz zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal für eine optimale User Experience.

Alle diese Unterschiede und Grundvoraussetzungen zwischen Mobile und Desktop erfordern eine erweiterte, differenzierte Form des Usability Testings.

Nutzer schauen auf Devices

Die Erwartungshaltung der Nutzer ändert sich durch individualisierte und personalisierte Nutzererlebnisse

Personalisierte Suchergebnisse auf Google oder passende Film und Musikvorschläge auf Netflix und Spotify – heutige Nutzer sind es gewohnt, dass digital verfügbare Inhalte auf ihre Wünsche und Interessen abgestimmt werden. Nicht verwunderlich ist, dass Nutzer die Individualisierung und Personalisierung von Inhalten mittlerweile von sämtlichen digitalen Produkten einfordern, mit denen sie in Kontakt treten. Deutlich zeigte sich dies auch in einem UX-Test, den wir für den Betreiber einer Videoplattform (ähnlich wie Youtube) durchführten, wo unsere Tester ganz automatisch erwarteten, dass der angebotene Content auf die persönlichen Vorlieben der Nutzer zugeschnitten ist.

Diese Erwartungshaltung bringt eine zusätzliche Facette ins Usability Testing:

Die User Experience definiert sich nun nicht mehr nur durch klar beobachtbare Faktoren wie die Benutzbarkeit einer Plattform, Verständlichkeit des Interfaces etc.. UX Testing muss nun verstärkt Faktoren wie die Erwartungskonformität der gezeigten Inhalte berücksichtigen. Entsprechend erweitert sich der Fokus des Tests von der reinen Usability hin zum Abfragen der Erwartungen und Interessen der Nutzer.

Für Marken bedeutet dies konkret: Ob bei der Entwicklung oder beim Testen – jede Personalisierungsstrategie von digitalen Produkten beginnt mit einem grundlegenden Verständnis der Nutzerbedürfnisse, die nur durch eine solide Datengrundlage zu Nutzerpräferenzen gewährleistet werden kann.

Sprachassistenten werden immer beliebter

Sprachassistenten wie Alexa, Siri, Cortana und Google Assistant revolutionieren das herkömmliche User Interface

Wenn beim Usability Testing die Interaktion von Nutzern mit dem vorliegenden Interface getestet wird, dann liegen sowohl für mobile als auch für Desktop-Endgeräte ähnliche Voraussetzungen vor, weil Nutzer mit einem Bildschirm als Interface interagieren.

Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortana oder der Google Assistant bringen hingegen eine neue Form von Interface mit sich, die gänzlich ohne Bildschirm oder Eingabeinstrumente auskommt. Die Messbarkeit der Usability wird mit diesen Assistenten vor neue Herausforderungen gestellt: Durch Faktoren wie Hintergrundgeräusche, Aussprache, Dialekte etc. werden die Eingaben der Nutzer deutlich variabler und schwerer zu analysieren.

Umso wichtiger ist hier das ausführliche und detaillierte Usability Testing. Zum einen sollten erweiterte Fragestellungen während des Testens die größere Variabilität der Eingabemöglichkeit berücksichtigen und den Nutzern hier die Chance geben, Abfragen so natürlich wie möglich zu stellen. Zum anderen ist auch eine andere Vorgehensweise in der Datenerhebung notwendig. Sind Surveys und eventuell begleitende Bildschirmaufnahmen bei anderen Testings der Standard, kommt es in diesem Fall insbesondere auf die Tonaufnahmen an, die eine detaillierte Analyse der Interaktion erst möglich machen. Dies ist für uns von Applause auch eine große Hilfe bei den Tests von Alexa-Skills, bei denen wir mit Tonaufnahmen die exakten Abläufe der Interaktionen nachvollziehen und auswerten können.

Was bedeutet das für mich und meine Usability Tests und wie kann Applause helfen?

Jeder der vorgestellten drei Trends hat Konsequenzen für digitale Produkte und Marken und stellt auch bisherige Praktiken und Methoden von Usability Testing auf den Prüfstand. Wir von Applause haben uns diese Trends bereits zunutze gemacht, indem wir unsere Usability Testing Solutions entsprechend erweitert haben. Für das Testing der Sprachassistenten, insbesondere der Alexa Skills, haben wir vor kurzem eine Kooperation mit Amazon abgeschlossen, von der bereits zahlreiche unserer Kunden profitieren.

Wenn du wissen möchtest wie wir konkret Usability Testing durchführen, dann lade dir unser neues Usability Ebook herunter, in dem wir auf folgende Fragen eingehen:

  • Wie läuft ein Usability Test üblicherweise ab?
  • Welche verschiedenen Möglichkeiten von Usability Tests gibt es?
  • Welche Akteure sind in einem Testlauf üblicherweise involviert?
  • Wie lange dauert es, bis ich erste Ergebnisse erhalte?

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