Mobile Payment – APPsolut kein deutsches Modell?

Jonathan Blümel Jonathan Blümel
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Noch vor 20 Jahren war Internet auf dem Handy undenkbar. Heute sind mobile Apps auf dem Smartphone integraler Bestandteil unserer zunehmend digitalisierten Lebenswelt in Deutschland – mit Ausnahme beim mobilen Bezahlen.

In asiatischen Ländern wie China oder Indien ist das sogenannte „Mobile Payment“ bereits tief in der Gesellschaft verankert. In China beispielsweise werden in den Großstädten nur noch rund 37 Prozent aller Käufe mittels Bargeld getätigt. Man muss allerdings gar nicht so weit in die Ferne schweifen, um einen signifikanten Länderunterschied festzustellen. In Italien zum Beispiel bezahlen rund 20 Prozent aller Smartphone-Nutzer mit ihrem mobilen Endgerät – in Deutschland sind es 10 Prozent. Damit rangieren wir im europäischen Vergleich sogar noch vier Prozent hinter unserem Nachbarland Frankreich. Kurz gesagt: Der „Mobile Payment“ Markt in Deutschland liegt derzeit noch brach.

Woran liegt es aber nun, dass wir Deutschen das Bezahlen mit dem Smartphone nicht nutzen?

Mobile Payment - technologischer Stand in Deutschland

Ein wichtiger technologischer Unterschied, der die Diskrepanz zwischen China und Deutschland erklärt, ist, dass China das Bezahlen mit der Bankomat- oder Kreditkarte einfach übersprungen hat. Zusätzlich haben im Land des Lächelns zwei große Anbieter von appbasierter sozialer Interaktion, WeChat und Alipay, ihre Marktmacht und vor allem ihre große Kundenschar genutzt, um mobiles Bezahlen flächendeckend einzuführen. Obwohl, oder gerade, weil das bargeldlose Bezahlen mittels Karte bei uns eher der technologische Standard ist, haben es Anbieter von „Mobile Payment“ hierzulande schwer.

Die grundlegende Technologie ist bei beiden Systemen die gleiche. Durch einen in Karten und Smartphones bereits eingebauten Chip wird das kontaktlose Bezahlen ermöglicht. In Deutschland gibt es für Kartenbezahlung (Kreditkarte oder Girocard) ein einheitliches System, für das Bezahlen per Smartphone-App fehlt etwas Derartiges zurzeit noch. So funktioniert beispielsweise Apple Pay nicht an NFC-Kartenterminals, die nur Girocards akzeptieren.

Die hohen Kosten, die für die Implementierung eines einheitlichen Zahlungssystems aufkommen, ist aktuell kein Unternehmen in Deutschland bereit alleine zu stemmen. Dass Apple und Google Pay in Kürze den deutschen Markt für Mobile Payment bestimmen werden, ist auch noch ungewiss. Denn, die in Deutschland tätigen Banken mit dem größten Kundenstamm unterstützen Apple oder Google Pay bislang noch nicht, sondern bieten eigene App-Lösungen zum mobilen Bezahlen an.

So verwundert es nicht, dass momentan auf dem deutschen Markt noch viele Insellösungen für Mobile Payment existieren, die nicht flächendeckend funktionieren. Ein allgemeines Informationsdefizit über entsprechende Anbieter und welche Mobile Payment Lösungen bei welchen Einzelhändlern unterstützt werden, tut sein Übriges zum Status Quo.

Vorbehalte gegenüber Mobile Payment

Neben den technologischen Hürden haben aber vor allem die potentiellen Endanwender in Deutschland gegenüber „Mobile Payment“ noch Bedenken.

Laut einer Erhebung von Statista gaben 56,2 Prozent der Befragten Sicherheitsbedenken als Grund dafür an, warum sie kein Mobile Payment nutzen möchten. Ohne eine größere Datenerhebung vorzunehmen, ließen sich hier die Angst vor Datenmissbrauch und die Skepsis gegenüber Social Media und datenhungrigeren Unternehmen als weitere Gründe ergänzen.

Viele Deutsche sehen derzeit in Deutschland funktionerende Mobile-Payment-Lösungen gegenüber der Kartenzahlung noch im Hintertreffen und als nicht nützlich bzw. nutzbar an. Warum? Weil bisherige Lösungen für mobiles Bezahlen kein Kundenproblem lösen, sondern eher neue Schwierigkeiten beim Bezahlen verursachen.

Best Practice für Mobile Payment in Deutschland: Payback Pay

Ein Lichtblick auf dem deutschen Markt ist sicherlich Payback Pay, bei dem Payback-Kunden mithilfe ihrer App bezahlen. Der bereits weit verbreitete und von vielen lokalen Anbietern und Supermärkten angebotene Punktesammel-Service gibt einen guten Vorgeschmack, wie erfolgreiches Mobile Payment in Deutschland aussehen kann. Die Funktionsweise von Payback Pay ist simpel, aber sehr pragmatisch: Wer am POS den QR-Code seiner Payback-App scannt, füllt nicht nur sein Punktekonto auf, sondern bezahlt auch seinen gesamten Einkaufsvorgang.

Das Erfolgsrezept von Paypack Pay beruht auf der großen Nutzerbasis, dem Vertrauen der Nutzer in den Anbieter sowie dem klaren Mehrwert der App aus Nutzersicht (Punktesammeln und Einkauf bezahlen). Entscheidend ist hierbei, dass Payback durch das Punktesammeln bekannt geworden ist und hier nach wie vor seinen hauptsächlichen Mehrwert bietet.

In anderen Ländern wie Frankreich machen es Anbieter wie z. B. Lydia vor, wie Mobile-Payment-Startups sukzessive massentauglich werden. Ursprünglich wurde Lydia dafür bekannt, Geld in Echtzeit innerhalb des eigenen Freundeskreises zu senden und zu empfangen. In den letzten Jahren hat Lydia jedoch weitere Funktionen mit dem Ziel hinzugefügt, Bargeld, Schecks und sogar die Debitkarte zu ersetzen, um eine einzige Anlaufstelle für alle Zahlungen zu sein – online und offline.

Lydia integriert sich in bestehende Handelsplattformen wie z. B. C-Discount (zweitgrößter E-Commerce-Shop in Frankreich) durch simplen Kaufabschluss (Push-Notification und App-Login). Am POS im lokalen Supermarkt wie z. B. Franprix kann der Käufer einen QR-Code generieren, den der Verkäufer einscannt. An Handelsplätzen, die Lydia nicht unterstützen, kann trotzdem mit einer Lydia-Kreditkarte bezahlt werden.

Wohin führt der Weg des Mobile Payment auf dem deutschen Markt?

Viele Experten rechnen damit, das „Mobile Payment“ in Deutschland 2020 verstärkt in den Fokus rücken wird. Den Markt erobern wird wohl jener Anbieter, der das mobile Bezahlen mit einem Mehrwert für die User (Rabatte, Infos, Punktesystem) verknüpfen kann. Das Beispiel von Payback Pay zeigt auch auf, wie die Akzeptanz für Mobile Payment in Deutschland bei Nutzern gefördert wird.

Reine Bezahl-Apps könnten es hingegen schwer haben sich auf dem deutschen Markt durchzusetzen, weil deutsche Nutzer nicht 20 verschiedene Bezahl-Apps auf ihrem Smartphone installieren werden und dann je nach Händlerwunsch bezahlen. Statt Single-Purpose-Apps braucht es daher Mobile-Payment-Lösungen, die integriert in Plattformen und verknüpft mit anderen Funktionen sind, um deutsche Nutzer für Mobile Payment zu begeistern. Es bleibt zu hoffen, dass die künftigen Vorreiter die nötigen Impulse setzen, um einheintlichere Systeme und mehr Akzeptanz für mobiles Bezahlen auch in Deutschland zu schaffen.

Mit steigendem Wettbewerb der Mobile-Payment-Anbieter wird es jedoch noch stärker darauf ankommen, dass die jeweiligen Mobile-Payment-Lösungen und dazugehörigen Mobile Apps aus Nutzersicht intuitiv gestaltet und mit einem klaren Mehrwert versehen sind. Ebenso sollten Transaktionen sicher und unkompliziert verlaufen, ganz gleich bei welchem Einzelhändler Nutzer einkaufen. Dies sind die Aspekte auf die Endanwender ihr Hauptaugenmerk legen werden. Payment Testing mit realen Nutzern kann hier die nötigen Insights in die Customer Journey verschaffen und helfen die Mobile-Payment-Lösungen für alle Nutzer optimal zu gestalten.

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