7 Fehler, die Mobile Tester vermeiden sollten

Daniel KnottDaniel Knott
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7 Fehler, mit denen sich Mobile Testing Teams das Leben selbst schwer machen.

Mobile Tester/innen und QA Leads wissen, dass Mobile Testing noch mehr Tücken hat als Software-Tests sowieso. Apps und webbasierte Anwendungen sind speziell für mobile Endgeräte und immer in Bewegung bleibende Nutzer designt. Deshalb müssen sie sich aber auch unter noch mehr Variablen behaupten – die jeweils potenzielle Fehlerquellen darstellen. Anwender verlassen sich dabei auf die Stabilität und Qualität der Anwendungen sowie die sichere Verarbeitung und Speicherung ihrer Daten, ob bei der Navigation durch den Alltag, der Erstellung von To-Do-Listen oder noch komplexeren Aufgaben.

Die Entwicklung und das Testen von mobilen Anwendungen stellen Entwicklungsteam daher vor besondere Herausforderungen. Gerade Mobile Tester/innen sollten dabei unbedingt nachfolgende Fehler beim Testen von mobilen Applikationen vermeiden.

Fehler # 1: Die UI/UX Richtlinien nicht kennen

Egal, ob eine Android, iOS oder webbasierte mobile Anwendung getestet wird, Softwaretester müssen die verschiedenen Plattform-Richtlinien hinsichtlich des User Interfaces und der möglichen Interaktionen kennen. Alle Hersteller stellen diese Richtlinien zur Verfügung und es wird dringend empfohlen, mit diesen als Tester gut vertraut zu sein. Im besten Fall gibt es im Entwicklungsteam einen UI/UX Experten, der das Team hinsichtlich dieser Richtlinien berät. Jedes App Release muss erneut auf diese Richtlinien geprüft werden, um negatives Feedback oder einen Ausschluss aus den App-Stores zu vermeiden.

Fehler # 2: Versuchen, alles zu testen

Diesen Fehler gilt es nicht nur beim Testen von mobilen Anwendungen zu vermeiden, sondern allgemein für jede Software. Es ist schlicht nicht möglich, alle erdenklichen Szenarien zu testen, die während der Nutzung von mobilen Anwendungen auftreten können. Es gibt nahezu unendliche Kombinationen von Hardware und Software, die vor jedem Release geprüft werden müssten.

Um diesen Fehler zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Neuerungen und Änderungen innerhalb der Software bekannt sind. Dieses Wissen hilft bei der Fokussierung auf die wichtigen Änderungen am Quellcode. Ein kontextbasierter Testansatz kann dabei helfen, die Zeit für das Testen optimal zu planen.

Fehler # 3: Nur die UI Komponenten testen

Dieser Fehler wird vor allem von eher unerfahrenen Testern gemacht, die neu im Bereich Mobile Testing sind. Es werden nur die UI Komponenten und die sichtbaren Übergänge getestet. Allerdings bestehen moderne mobile Applikationen aus unterschiedlichen Komponenten, auf unterschiedlichen Ebenen.

Die meisten Apps haben eine eigene lokale Datenbank, in der entsprechende Daten gespeichert werden. Daher muss sichergestellt werden, dass die Daten zum einen korrekt verarbeitet werden, aber auch sicher, evtl. verschlüsselt, gespeichert werden. Mobile Apps verwenden eine Vielzahl von Schnittstellen zur Geräte-Hardware um z.B. die aktuelle Position auszulesen oder wie schnell das Gerät bewegt wird. Auch diese Fälle müssen zwingend beim Testen der Anwendung bedacht werden.

Des Weiteren kommunizieren mobile Anwendungen meist mit einem Backend-System. Von diesem System beziehen die Anwendungen ihre Daten über APIs. Dabei sollte geprüft werden, ob die API die richtige Antwort auf den jeweiligen Call liefert. Wie verhält sich die API wenn falsche Daten angefragt werden? Werden die Daten verschlüsselt übertragen?

Es ist daher sinnvoll, für jede mobile Anwendung eine Übersicht der genutzten Schnittstellen anzufertigen. Darüber hinaus sollten andere Systeme, die über ein mobiles Netzwerk abgerufen werden, ebenfalls skizziert sein.

Fehler # 4: Nur stationär Testen

Leider wird dieser Fehler immer wieder begangen, dass die mobile Anwendung nur stationär, sprich im Büro in einer stabilen Wi-Fi Umgebung getestet wird. Je nach Anwendungsgebiet der Apps kann sich jedoch der Ort der Nutzung stark unterscheiden.

Nehmen wir das Beispiel einer Transport-App für Züge. Einer der Hauptanwendungsfälle einer solchen App ist es, Auskunft über eine etwaige Verspätung abzurufen. Dieser Anwendungsfall passiert in den meisten Fällen, wenn der Nutzer der App unterwegs,z.B. am Bahnhof ist. Je nach Lage des Bahnhofs, ob ober- oder unterirdisch, kann die Geschwindigkeit des mobilen Datennetzwerkes unterschiedlich sein. Es kann sogar vorkommen, dass kein Netz vorhanden ist.

Gerade solche Anwendungsfälle, mit einer schlechten bis unterbrochenen Internetverbindung, müssen zwingend während des Testens geprüft werden.Es gilt sicherzustellen, dass die App mit einer langsamen Internetverbindung zurechtkommt und im Fehlerfall den Nutzer mit einer entsprechenden Meldung darüber informiert.

Dies ist nur eines von vielen möglichen Szenarien. Es ist daher unbedingt erforderlich, außerhalb des Büros und an verschiedenen Nutzungsorten zu testen.

Fehler # 5: Keine Testautomatisierung nutzen

Das Schreiben von automatisierten Tests ist nicht einfach. Das Schreiben automatisierter Tests für mobile Anwendungen ist angesichts aller Abhängigkeiten zu APIs, Netzwerken, Sensoren und Backend-Systemen noch komplexer. Eine 100 prozentige Testabdeckung ist darum nicht möglich und auch nicht effizient. Das heißt aber nicht, dass ein Team nicht Zeit und Geld in eine Testautomatisierung investieren sollte. Diese Aufgabe muss auch nicht alleine von den Softwaretestern übernommen werden. Gerade die Entwickler sind Experten im Programmieren und können dem Tester dabei helfen, eine Testautomatisierung für die Anwendung zu etablieren.

Wird eine Testautomatisierung bei Null gestartet, ist es wichtig, sich auf kritische und wesentliche Bereiche der App zu fokussieren. Kritische Bereiche können hier u.a. eine Bezahlfunktion, Registrierung oder der Login sein. Sind diese Bereiche ausreichend automatisiert, hilft das dem Team, ein besseres Gefühl für die Code-Qualität zu bekommen. Die automatisierten Tests sollten unbedingt bei jeder Codeänderung ausgeführt werden, um dem Team ständig Feedback zu geben.

Sind solche Bereiche automatisiert, haben Softwaretester mehr Zeit, sich auf Bereiche zu konzentrieren, die evtl. nicht automatisiert geprüft werden können. Bereiche, die nur sehr schwer oder mit sehr hohem Aufwand zu automatisieren sind, sind u.a. Interaktionen zwischen mehreren Geräten oder Zugriff auf verschiedene Sensoren.

Fehler # 6: Nur auf einem Gerät testen

Eine der größten Herausforderungen für Tester/innen von mobilen Anwendungen ist die Vielzahl der verfügbaren Geräte auf dem Markt. Es gibt Tausende von möglichen Hardware-Software-Kombinationen, die theoretisch vor jedem App-Release getestet werden müssten. Da dies in den meisten Fällen für Entwicklungsteams zeitlich als auch finanziell nicht möglich ist, kommt es immer wieder vor, dass mobile Anwendungen auf nur einem Gerät pro Plattform getestet werden. Das ist ein großer Fehler. Die eigene Anwendung kann sich von Gerät zu Gerät anders verhalten und zu möglichen Fehlern führen. Daher ist es zwingend notwendig, auf unterschiedlichen Geräten zu testen.

Ist die Zielgruppe der mobilen Anwendung bekannt, sollte mithilfe von Umfragen oder Analysen herausgefunden werden, welche die meistgenutzten Geräte innerhalb der Zielgruppe sind. Anschließend kann gezielt auf den meist genutzten Geräten aus der Zielgruppe getestet werden. Wie man die richtigen Geräte auswählt, ist in diesem Artikel zu finden.

Fehler # 7: Das Kunden-Feedback ignorieren

Immer wieder kommt es vor, dass Kunden-Feedback nicht ernst genommen wird. Es ist zwingend erforderlich, das Feedback des Kunden zu beachten oder am besten den Kunden aktiv nach Feedback zu fragen. Nur so haben Firmen die Möglichkeit, maßgeschneiderte Produkte auf den Markt zu bringen, die die Wünsche der Kunden erfüllen.

Als ersten Anlaufpunkt für Entwicklungsteams dienen dabei die App-Store Bewertungen. Dort hinterlassen viele Kunden ihr Feedback über eine aktuelle App-Version. Dieses Feedback kann genutzt werden, um Probleme besser zu identifizieren und zu beheben. Die App-Stores sind dabei nur ein Feedback-Kanal, den Kunden heutzutage nutzen. Sollte eine Kundensupport-Abteilung in der Firma vorhanden sein, lohnt es sich mit den Kollegen zu sprechen, um weiteres Feedback von Kunden einzuholen.

Es gilt weitere Fehler zu vermeiden

Die in diesem Artikel beschriebenen Fehler sind nur ein kleiner Auszug von vielen weiteren Fehlerquellen, die während des Testens von mobilen Anwendungen beachtet werden sollten. Werden die genannten 7 Fehler aber vermieden, kann bereits eine mobile Anwendung von hoher Qualität an den Kunden ausgeliefert werden. Weitere Informationen und hilfreiche Tipps rund um das Thema Mobile Testing findest du auch in folgendem Webinar: 8 Best Practices für das Testen mobiler Apps


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