Online-Glücksspiel erlaubt: Welche Features muss ein Online-Casino vorweisen?

Florian Sasse
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Sieben Features für erfolgreiche Gambling-Apps

Seit dem 1. Juli 2021 sind Online-Glücksspiele in allen Bundesländern Deutschlands durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag legalisiert. Der Vertrag regelt die Rahmenbedingungen, unter denen virtualisierte Glücksspiele wie etwa Wettangebote, Casino-Spiele und Automaten betrieben werden dürfen. Hauptziele des Staatsvertrags sind u. a. den Jugendschutz zu gewährleisten, Spieler:innen vor Betrug zu schützen und Glücksspielsucht entgegenzutreten.

Mit dem neuen Staatsvertrag kommen auf Entwickler:innen, die beispielsweise eine Casino-App herausgeben wollen, einige Anforderungen zu. Doch welche Features sind für eine erfolgreiche Gambling-App essentiell? Und welche gesetzlichen Regelungen gilt es für Entwickler:innen nun zu beachten? Ein Überblick.

1. Ein intuitives User Interface

Niemand mag Apps, in denen man sich durch zahllose Menüs kämpfen muss, um zum Ziel zu kommen. Laut YouGov-Umfrage deinstallieren 24 % der Befragten eine App, wenn sie schlecht bedienbar ist. Entwickler:innen sollten deshalb darauf achten, dass das UI ihrer Apps übersichtlich und leicht zu navigieren ist. Heißt im Klartext: Aktueller Kontostand, verfügbare Spiele und zentrale Aktionen wie Guthaben aufladen bzw. einfordern sollten zu jeder Zeit schnell erreichbar sein.

Ein gutes User Interface sorgt nicht nur für zufriedene User, es gewährleistet auch die Compliance zum Staatsvertrag. Laut den neuen Regeln müssen Spieler:innen jederzeit die Möglichkeit haben, den Stand ihres Guthabens auf dem Konto, eine Übersicht aller Ausgaben sowie die Spielhistorie einzusehen.

Zusätzlich müssen laut Staatsvertrag sämtliche Spielregeln sowie der Gewinnplan schnell abrufbar und verständlich beschrieben sein. Dies ist allerdings immer eigentlich ein Best Practice, allein schon um zu vermeiden, dass ein User Geld verliert und eventuell der App den Rücken kehrt, nur weil die Regeln missverständlich waren.

2. Viele Bezahloptionen und schnelle Auszahlung

Online-Bezahlmethoden gibt es zuhauf – von gängigen Zahlungsdienstleistern wie PayPal, über Kreditkarten bis hin zu Online-Überweisungen über das eigene Kreditinstitut. Um eine möglichst große Zahl an Spieler:innen anzusprechen, ist die Unterstützung der gängigsten Bezahlmethoden unabdingbar. Hat ein:e Nutzer:in schließlich bei einem Spiel gewonnen, erwartet sie natürlich ihren Gewinn – und das so schnell wie möglich. Lässt die Auszahlung zu lange auf sich warten, sorgt dies für Frust und lässt ganz schnell den Verdacht aufkommen, betrogen worden zu sein.

Dabei müssen App-Entwickler:innen natürlich bedenken, die implementierten Zahlungsmethoden und die Auszahlung durch echte Nutzer:innen testen zu lassen. Schließlich soll die App-Nutzung nicht daran scheitern, dass die präferierte Zahlungsmethode nicht richtig funktioniert oder die Gewinne nicht schnellstmöglich und unkompliziert dem Nutzerkonto gutgeschrieben werden.

3. Umfassende Sicherheit

Für Apps, die mit Echtgeld arbeiten, ist ein gutes Sicherheitskonzept unumgänglich. User wollen ihr eingezahltes Guthaben, wie in einem physischen Casino, sicher wissen und nicht plötzlich auf einen leeren Kontostand blicken müssen.

Hinzu kommt: Spieler:innen müssen bei der Anmeldung in Casino-Apps hochkritische persönliche Daten – wie Namen, Adresse und Zahlungsinformationen – angeben, die eine begehrte Beute für Cyber-Kriminelle sind. Entwickler:innen solcher Apps müssen daher die Sicherheit ihrer App und aller persönlichen Daten, mit denen sie arbeitet, in den Fokus setzen.

Weitere Sicherheitsmerkmale betreffen die Spiele selbst: Es sollte z. B. gewährleistet sein, dass Spiele nicht automatisch starten und nahtlos aneinander anschließen, damit User nicht unbewusst ihr Guthaben verspielen. Dies ist übrigens auch ganz im Sinne des Staatsvertrags: Dieser sieht vor, dass Spiele und Spielrunden nur nach ausdrücklicher Bestätigung des oder der Spielenden beginnen dürfen.

4. Bonus Features

Für Herausgeber von Gambling-Apps ist die Kundenloyalität ein großes Problem. Laut einer Studie des Unternehmens Feefo wechseln 96 % der Spieler:innen jedes Jahr den Wettanbieter. Mehr als ein Fünftel tun dies alle drei bis fünf Monate. Um Nutzer:innen bei Laune zu halten und das Spielerlebnis weiter zu verbessern, bieten sich daher Boni für die Nutzung der Casino-App an.

Von gesetzlicher Seite gibt es hier nur wenige Vorgaben. So dürfen Werbungen und Bonusaktionen nicht an Nutzer:innen ausgespielt werden, die wegen beispielsweise erhöhter Suchtgefahr auf der Sperrliste gelandet sind.

5. Ansprechendes 3D-Design

In einer physischen Spielbank erwartet man ein ansprechendes und modernes Interieur sowie saubere Spieltische und Automaten. Ähnliches gilt für virtuelle Casinos. Damit Entwickler:innen den Spielenden das Gefühl eines echten Casinos am besten vermitteln können, sollten sie sich daher auf ansprechende 3D-Design-Elemente konzentrieren.

Zu diesem Zwecke sollten sie sich genau mit aktuellen Design-Vorgaben befassen, um ihrem virtuellen Casino einen zeitgemäßen Stil zu geben. Da 3D-Designs häufig Animationen beinhalten, müssen diese über mehrere und vor allem auch leistungsschwächere Endgeräte getestet werden. So wird sichergestellt, dass die Animationen flüssig laufen und nicht ruckeln – das Spielerlebnis wird dadurch noch besser.

Allerdings ist auch Vorsicht geboten: Gängige Spiele, die in einem physischen Casino einen Bankhalter benötigen (Roulette, Black Jack, Baccara etc.) und in Apps für andere Märkte bereits wunderbar in 3D umgesetzt sind, dürfen laut Glücksspielstaatsvertrag nicht angeboten werden.

6. Hohe Standards für Kundenservice

Die meisten seriösen Online-Casinos sollten alles daran setzen, um sicherzustellen, dass ihre Spieler:innen Spaß haben und es nicht zu unerwarteten Bugs kommt. Tritt nun doch der Ernstfall ein, muss der Kundenservice sofort verfügbar sein und helfen können. Dies gilt insbesondere, wenn Spieler:innen fälschlicherweise Geld verloren haben.

Ein Minimum für guten Service stellt ein FAQ dar, in dem antizipierte Fragestellungen schon im Vorhinein geklärt werden können. Darüber hinaus muss ein Kundendienst rund um die Uhr über Telefon, E-Mail und Online-Formular erreichbar sein, um bei Fragen und Problemen weiterzuhelfen. Außerdem können Entwickler:innen auf Chatbots setzen, um den Kundenservice zu verbessern. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese ausgiebig getestet werden müssen, um die Funktionalität zu gewährleisten.

7. Mehrsprachige Angebote

Soll die App auch nicht-deutschsprachige User ansprechen, ist eine Übersetzung Pflicht. Apps in englischer Sprache sind das Minimum, weitere Sprachen fügen auch weitere Zielgruppen hinzu. Zudem sollte bei der Übersetzung der App nicht am falschen Ende gespart werden: Das gesamte Angebot leidet unter schlechten Übersetzungen und lässt es billig, wenn nicht sogar zwielichtig wirken. Zu diesem Zwecke empfiehlt es sich, mehrsprachige Angebote von muttersprachlichen Tester:innen prüfen zu lassen.

Features umfangreich testen

Die Legalisierung von Online-Glücksspiel wird Online-Casino-Apps hierzulande einen ordentlichen Schub geben. Es ist zu erwarten, dass zunehmend mehr Entwickler:innen mit neuen Apps in diesen Markt eindringen werden. Um die bestmögliche User Experience zu erreichen und darüber hinaus gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, können oben genannte Features sehr hilfreich sein.

Doch bevor die eigene Casino-App live geht, bedarf es eines detaillierten Testings dieser Features und wie sie beim User wirken. Für Betreiber von Online-Glücksspielen gibt es viele bewegliche Teile, die es zu berücksichtigen gilt – es ist wichtig, alle Features mit echten Nutzer:innen zu testen. Erfahren Sie mehr im E-Book: “3 Schlüssel zur Kundenloyalität für Betreiber von Online-Wettbüros und -Casinos.”


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