4 Schritte zum Erstellen von sinnvollen Testfällen
QA Lounge

4 Schritte zum Erstellen von sinnvollen Testfällen

Alex Kaftan • 26. Februar 2018

Wie sehen aussagekräftige Testfälle aus?

Software-Terminologie kann im Hinblick auf Software-Testing manchmal verwirrend sein. Testfall, Testskript, Testszenario, Testplan. Sie klingen irgendwie alle ähnlich, haben aber alle unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen für den gesamten Software-Entwicklungszyklus. In diesem Zyklus ist das Erstellen und Ausführen von Testfällen der erste von mehreren Schritten innerhalb des Testings und bildet damit den Grundstein dafür, ein letztendlich qualitativ hochwertiges Produkt zu releasen.

Denn mithilfe von Testfällen (eng. Test Cases) wird noch vor dem Release überprüft, ob das Produkt spezifizierte Anforderungen und aufgestellte Qualitätsparameter (z. B. Funktionalität, Usability) erfüllt.

Das Schreiben von Test Cases bereitet insbesondere QA/Test Managern häufig Kopfzerbrechen. Denn Test Cases fordern viel Expertise ab: Sie müssen realistisch, zielgerichtet sein und dabei präzise typische Szenarien sowie Testbedingungen beschreiben. Bei der Erstellung von Test Cases sind Ihnen bestimmt folgende Fragen schon begegnet:

  • Was ist mein Ausgangspunkt vom Test Case? Welche Vorbedingungen müssen erfüllt sein?
  • Wird der Test Case die benötigten Resultate aufdecken? Was sind überhaupt die primären Bereiche?
  • Welche notwendigen Daten werden für eine erfolgreiche Ausführung benötigt?
  • Bin ich in der Lage die auszuführenden Schritte und erwarteten Ergebnisse klar und deutlich zu formulieren?
  • Ist der Aufbau des Test Cases sinnvoll strukturiert? Weiß der Tester/User worauf es ankommen soll?
  • Werden die Test Cases Zeit ersparen, bestehende Prozesse optimieren und damit nachhaltigen Mehrwert stiften?

In vier Schritten werden wir Ihnen erläutern, wie Sie verständliche Test Cases erstellen und nach dem eigentlichen Testing noch weiter optimieren können.

1. Definieren Sie den Test Scope: so detailiert wie möglich, dennoch nur so viel, wie nötig

Ganz gleich, ob Sie Test Cases für externe Crowdtester schreiben oder für Ihre Tester in der unternehmensinternen QA-Abteilung, machen Sie sich bitte eines klar: Gehen Sie immer davon aus, dass die Tester das Testobjekt das erste mal „begutachten“ und über keinerlei zu dem Testobjekt Hintergrundwissen verfügen. Die wirkliche Kunst des Entwickelns besteht darin, die Testumgebung so vertraut zu machen, dass diese dem Tester intuitiv erscheint, sobald sie diese zum ersten Mal zu Angesicht bekommen.

Achten Sie bitte bei der Ausarbeitung / Vorbereitung des Scopes und deren Test Cases auf folgende Punkte:

  • Erklären Sie in kurzen Worten, worum es sich bei dem Testobjekt handelt. Was kann dieses?
  • Hauptfokus: Auf welche Bereiche soll der Tester primär achten?
  • Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um testen zu können? Bedenken Sie dabei auch Aspekte wie z. B. Device, OS, Hardware, Accounts, Zugänge (VPN), Out of Scope, Location
  • Vermeiden Sie Fachbegriffe und unverständliches Insider-Wording! Formulieren Sie so detailliert wie möglich, dennoch nur so viel, wie nötig!
  • Versetzen Sie sich in die Lage eines Laien. Prüfen Sie selbst oder mithilfe eines Kollegen, ob ihr Test Scope wirklich verständlich geschrieben ist und alle nötigen Aspekte berücksichtigt wurden.

2. Test Cases für jedermann verständlich machen

Bitte beachten Sie beim Ausformulieren von Test Cases für externe Crowdtester oder interne Tester folgende Punkte:

  • Wählen Sie einen deutlichen Titel, der den Testfall beschreibt.
  • Beschreiben Sie den Testfall in einer kurzen Zusammenfassung, um so dem Tester den Einstieg zu erleichtern.
  • Geben Sie eine klare Bearbeitungszeit des Testfalles an! Dies ist äußerst wichtig, falls der Testfall innerhalb einer bestimmten Zeit, oder am Stück, ohne Unterbrechung durchlaufen werden muss.
  • Geben Sie, wenn nötig, Hintergrundinformationen im jeweiligen Schritt an. Beschreiben Sie was genau, was der Tester im nächsten Schritt zu erwarten hat und welche Auswirkung dies hat.
  • Benennen Sie unbedingt die wichtigsten Funktionalitäten des Produktes, die zu 100% funktionieren müssen.
  • Bauen Sie den Testfall intuitiv und dem Produkt entsprechend auf! Versetzen Sie sich in die Lage eines Users: Was genau macht dieser im Normalfall? Spiegelt der Verlauf des Testfalls die spätere User Experience bzw. User Journey realistisch wider?
  • Bündeln Sie alle wichtigen Testdaten innerhalb des Test Cases und ordnen Sie die spezifischen Testdaten den einzelnen Schritten zu. Dadurch verhindern Sie Verwirrung und vermeiden, dass der Tester zwischen den einzelnen Schritten hin und herspringen muss. Lassen Sie den Tester sich voll und ganz auf die chronologische Ausführung des Testfalls konzentrieren.
  • Wichtig: Die einzelnen Schritte des Test Cases und die zu erwartbaren Ergebnisse müssen kurz und verständlich geschrieben sein. Fügen Sie lieber einen Schritt mehr hinzu, als dass Sie einen Schritt mit Informationen unnötig überladen.

3. Feedback der Tester einholen

Wir können noch so gut vorbereiten und planen, wie wir wollen - letztendlich sind unsere Tester, die Menschen, die den wirklichen Erfolg des Testings bestimmen und damit das Produkt bestmöglich auf den Release vorbereiten. Enger Kontakt mit den Testern und regelmäßige Feedback-Sessions zu neuen und bestehenden Testfällen sind daher ungemein wichtig, wenn Sie ihre Testfälle laufend optimieren möchten.

4. Review der Testfälle

Nun wurden sorgfältig alle Schritte eingehalten, der Testlauf ist zu Ende, die Ergebnisse des Testings liegen vor und Sie haben (hoffentlich) sogar das wertvolles Feedback der Tester erhalten. Nehmen Sie sich nun die Zeit und besprechen Sie Ihre Ergebnisse mit sämtlichen am Testing beteiligten Personen. Nutzen Sie jegliche Art von Feedback und lassen Sie dieses in den nächsten Testing-Zyklus einfließen, um sowohl Zeit als auch Geld zu sparen und aus möglichen Fehlern zu lernen.

Quality Assurance ist ein andauernder und fortlaufender Prozess. Versuchen Sie daher jeden neuen Testzyklus so zu nutzen, dass Sie die letztendlich die beste Version des Testobjekts erhalten. Voraussetzung hierfür ist aber, dass sie realistische Testfälle kreieren, die von Ihren Testern problemlos durchlaufen werden können.

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